Objekte - objects

Linsen und Spiegel - Teleskope

Physikalische und mathematische Objekte

Aus historischer Sicht

könnte man meinen, dass die Geräte mit denen wir heute arbeiten, viele Sinne außer Acht lassen.

Schon in der Antike war die Ausführung von Ideen und Erfindungen selbst in Form eines Modells verpönt.

Die Renaissance, die in ihren Anfängen noch geprägt war von Ängsten und Dogmen, öffnete erst sehr spät ihre Augen für den Fortschritt.

Philosophen und vor allem die Kirche waren gefürchtet bei den Menschen, die ihren Geist öffneten, um neue Grenzen zu definieren.

Diesen Menschen verdanken wir die Freiheit, an etwas glauben zu dürfen, aber nicht zu müssen.

Diese Freiheit, die die Grenzen nicht zu eng steckt, ist der Weg der aus einem Zentrum sich in alle Richtungen ausbreitet, sich verzweigt,

manchmal in eine Sackgasse führt, letztendlich aber den Sinn unseres Lebens begreifbar macht.

Für mich sind die Ausflüge, ausgehend von meiner Welt der gegenständlichen Bildhauerei, hin zu den technischen Objekten,

für meine eigene geistige Freiheit unerlässlich.

Ich werde immer wieder gefragt wie ich zu diesen Objekten komme, die mich

monatelang beschäftigen.

Hierbei kann ich heute sagen, sie entstehen nicht wie in der Kunst häufig praktiziert, durch die Suche nach einem Thema, das anschließend

manifestiert wird, gleichbedeutend einem Interpreten der ein für ihn geschriebenes Lied hörbar macht.

Wie schon erwähnt ist der Weg das Ziel.

So wie diese vier Teleskope die in dieser Ausstellung zu sehen sind, waren sie zu Beginn der ersten Arbeiten noch nicht einmal erträumt.

Ursprünglich war das Rohmaterial des kleine Spiegel nur ein Probeexemplar,

für die Möglichkeit Edelstahl zu polieren, um ihn als Reflexionsfläche einzusetzen.

Um diese Arbeit interessanter zu gestalten habe ich eine Hohlkehle geschliffen.

Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es möglich ist als Bildhauer, der ständig mit dem modellieren und schleifen von Formen beschäftigt

ist, eine Form mit den eigenen Händen zu schaffen, die perfekter sein muss als alle Dinge die wir jemals sehen werden. Drei Wochen lang

habe ich mit der Hand und meinen Möglichkeiten die Fläche geschliffen und den Parabolspiegel immer weiter perfektioniert.

Natürlich kam dann der Zeitpunkt auszuprobieren wie exakt der Brennpunkt ist.

Siehe da, was mir vermessen erschien, eine wenn auch heute noch nicht so perfekte optische Leistung zu erzielen, funktionierte der erste

Versuchsaufbau so gut, dass ich einfach weitermachen musste.

Dabei muss ich erwähnen, dass ich mir bewusst keine Hilfestellung von Fachleuten

oder der Literatur genommen habe.

Vielleicht ist es dieser Gedanke aus die Antike,

denn die größte Erfüllung habe ich dann, wenn ich das Zusammenspiel aller Formen und Funktionen im Geist durchspiele und gegeneinander abwäge.

Ich möchte die Funktion die statischen Eigenschaften, die Mechanik, die Formen

und Kraftverhältnisse fühlen. Erst dann ist für mich ein hohes Maß an Kunst erreicht. Die Ausführung ist für mich wichtig, weil ich meine Gedanken

mitteilen und weitergeben möchte.


Heinrich Eder